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Kündigung und Freistellung

Eine Schlüsselperson kündigt: Was in den ersten 48 Stunden zu tun ist

Bei einer Kündigung bleibt meist nur die Kündigungsfrist, abzüglich Ferien und Überzeit. Bei einer Freistellung bleibt oft gar nichts. Entscheidend sind deshalb die ersten 48 Stunden.

Warum es so schnell gehen muss

Nach einer Freistellung oder fristlosen Kündigung ist die Übergabe von Erfahrungswissen nach der Erfahrung von Praktikern «praktisch nicht möglich» (Reisach u. a. 2025, S. 288). Und auch bei einer ordentlichen Kündigung sinkt die Bereitschaft, Wissen zu teilen, mit jedem Tag. Was in der ersten Woche nicht gesichert ist, fehlt später meistens.

Die ersten 48 Stunden: Triage statt Handbuch

Jetzt geht es nicht um ein vollständiges Dossier, sondern um das, was sofort Schaden anrichtet, wenn es fehlt:

  1. Fristen: Welche Termine laufen in den nächsten drei Monaten ab? Zoll, Behörden, Verträge, Lohnläufe, Audits.
  2. Zugänge: Welche Systeme, Portale und Konten nutzt die Person, und wer hat ausser ihr Zugriff?
  3. Offene Vorgänge: Was ist angefangen und nicht fertig? Wo liegen die Unterlagen?
  4. Kontakte: Wen ruft die Person an, wenn etwas klemmt, bei Lieferanten, Kunden, Ämtern?
  5. Die fünf wichtigsten Aufgaben: Welche Aufgaben kann heute niemand sonst? Diese werden zuerst am Arbeitsplatz erfasst, mit Video oder Bildschirmaufnahme.

Die Tage danach

Ab dem dritten Tag wird vertieft: die wichtigsten Aufgaben Schritt für Schritt, mit den Kniffen und Gründen. Parallel arbeitet eine zweite Person bereits mit den Unterlagen und stellt Rückfragen, solange sie noch beantwortet werden können. Was bis zum letzten Arbeitstag nicht gesichert werden konnte, wird offen als Lücke festgehalten, damit niemand später von falscher Sicherheit ausgeht.

Was hilft, dass die Person mitmacht

Wer gekündigt hat, schuldet dem Betrieb Sorgfalt bis zum letzten Tag, aber nicht Begeisterung. Hilfreich ist, das Vorgehen offen zu erklären, die Zeit dafür ausdrücklich freizugeben und die Arbeit anzuerkennen. Vorwürfe oder Druck führen dazu, dass nur noch das Nötigste gesagt wird.

Vorbeugen ist billiger

Die beste Vorbereitung auf eine überraschende Kündigung ist, die Rollen mit hohem Wissensrisiko zu kennen, bevor es so weit ist. Dahinter steht der Grundsatz «one is none»: Jede kritische Aufgabe braucht eine zweite Person, die sie mindestens einmal im Jahr selbst erledigt (zit. nach DeLong 2002, S. 6).

Kurz beantwortet

Was ist nach einer Kündigung am dringendsten?
Fristen, Zugänge, offene Vorgänge und Kontakte. Diese vier Punkte sichern Sie in den ersten 48 Stunden, bevor Sie einzelne Aufgaben vertieft erfassen.

Geht das auch nach einer Freistellung?
Nur eingeschränkt. Ist die Person noch erreichbar, lassen sich Fristen, Zugänge und Kontakte meist noch klären. Tiefes Erfahrungswissen ist nach einer Freistellung kaum mehr zu übertragen.

Wie gross ist das Wissensrisiko in Ihrem Betrieb?

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Quellen

  • Reisach, U. u. a. (2025). Wissenstransfer bei Fach- und Führungskräftewechsel. München: Hanser.
  • DeLong, D. W. (2002). Better Practices for Retaining Organizational Knowledge. Accenture Institute for Strategic Change.